Wetter & Zeit
Wir schreiben den 10. September des Jahres 9 n. Chr.! Es ist früher Nachmittag, und die Sonne steht bereits hoch am Horizont. Einige Wolken ziehen über den Himmel. Die Temperaturen haben sich bei 22 ° Celcius eingependelt, und es zieht eine angenehme Brise über die germanische Landschaft.

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Das schändliche Verhalten der Römer auf dem heiligen Thing hat eine allgemeine Entrüstung unter den Stämmen hervorgerufen. Die Fürsten wollen sich nicht länger diese Willkürherrschaft der fremden Eindringlinge gefallen lassen. Stimmen werden laut sich endlich gegen die Römer zu erheben. Bisher haben sie nur noch keine einheitliche Linie gefunden sich gegen Rom zu erheben. Die Fürsten sind sich uneinig. Es fehlt ein besonnener Führer, der die Stämme eint und weiß wie man die Kriegsmaschinerie der Römer zu fassen bekommt. Erste Kontakte werden geknüpft und die Aussicht auf ein Menschenopfer, das die Götter gnädig stimmen soll, scheidet die Geister. Das gemeinsame Stammestreffen zum Erntefest wird zum Meilenstein in der Geschichte der Cherusker.

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Centurion
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Hand des Schicksals:

ja

Chronologie einer Katastrophe Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden IP Information Zum Anfang der Seite springen




Tag 1 der Varusschlacht: Die Germanen starten Guerilla-Attacken auf das römische Heer und enthüllen einen generalstabsmäßig vorbereiteten Plan.

Noch wähnten sich die Legionen auf friedlichem Terrain: Im September 9 nach Christus hatten sie ihr Sommerlager an der Weser verlassen, und der erste Marschtag – vermutlich am Nordrand des Wiehengebirges entlang – war ohne Zwischenfall verlaufen. Am folgenden Morgen standen die Soldaten wie gewohnt in aller Frühe auf. Sie packten ihre Sachen, verluden die Zelte auf Maultiere und begannen den langen Auszug aus dem Nachtquartier, das mit Graben, Wall und Palisade gesichert war.

Peu à peu verließ ein Trupp nach dem anderen den umwehrten Bereich, und ein Menschenstrom floss über Stunden hinweg aus dem Lagertor. Vorneweg zogen die Hilfstruppen, bestehend aus leicht bewaffnetem Fußvolk und Reitern. Sie schirmten die nachfolgenden Pioniere ab, die Hindernisse aus dem Weg räumten, Bäche überbrückten und Pfade befestigten. Dann kam der schwer gerüstete Kern des Heeres: Die drei Legionen, die jeweils an die 5000 Soldaten umfassten. Diese zogen in lockerer Formation, da man keine Feinde in der Nähe vermutete. „Sie führten wie im Frieden viele Wagen und Lasttiere mit“, erzählt der antike Historiker Cassius Dio. „Ferner folgten ihnen nicht wenige Kinder und Frauen und zahlreiche Trossknechte.“

Verdeckte Feinde in den römischen Reihen

Am Ende der wohl mindestens 15 Kilometer langen Kolonne folgten wieder Hilfstruppen. Diese umfassten in der Varusarmee insgesamt sechs Kohorten (etwa 3000 Fußsoldaten) und drei Alen (etwa 1500 Reiter). Darunter waren die Männer des Cheruskerfürsten Arminius, der als Anführer einer Hilfstruppeneinheit in der römischen Armee diente. Teile der Vor- und Nachhut waren also feindlich durchsetzt, ohne dass die Römer dies ahnten.

Arminius und seine Mitverschwörer begleiteten den Heereszug eine Weile, wie sie es als Hilfssoldaten sonst auch taten. Dann verschwanden sie – nicht heimlich, sondern mit Genehmigung des Statthalters Varus, so Cassius Dio: „Sie wurden entlassen, um Hilfstruppen zu mobilisieren und schleunigst zur Unterstützung heranzuführen.“ Das war natürlich eine blanke Lüge – auf die Varus ebenso hereinfiel wie zuvor auf den angeblichen Aufstand). Den hatten die Germanen nur fingiert, um Roms Legionen auf einen Weg abseits der gewohnten Route zu locken.

Während Varus ahnungslos blieb, setzten Arminius und seine Leute die vorbereitete Todesmaschinerie in Gang: Als Erstes signalisierten sie allen beteiligten Stämmen, dass die Römer in die Falle gegangen seien und der eigentliche Aufstand beginnen könne. Das hatte fatale Folgen zuerst für jene Legionäre, die nicht im Hauptheer mitzogen, sondern über das Land verteilt Polizeiarbeit leisteten. „Sie [die Verschwörer] ließen in ihren Heimatgebieten die römischen Soldaten niedermachen, die sie früher von Varus angefordert hatten“, berichtet Dio. Die kleineren Militärbasen der Besatzungsmacht waren damit planmäßig ausgeschaltet.

Legionen auf glitschigem Grund

Das Hauptheer blieb von diesen Vorgängen noch unberührt. Es kämpfte vorerst nicht mit den Germanen, sondern mit dem Wetter: „Die Kolonne wurde durch heftigen Regen und Sturmwind weiter auseinandergezogen“, erzählt Dio. „Der Boden war an den Wurzeln und Enden der Stämme ziemlich schlüpfrig geworden, sodass sie [die Römer] immer wieder ausglitten.“ Die Schilderung passt gut zu dem nach Kalkriese führenden Hellweg am Nordrand des Wiehengebirges: Dieser bestand zum Teil aus sogenanntem Kleiboden, der bei Nässe derart weich und glitschig wird, dass Fußgänger ständig Gefahr laufen auszurutschen.

Die Germanen holten unterdessen zum entscheidenden Schlag aus. „Sie übernahmen ihre schon irgendwo in Bereitschaft stehenden Streitkräfte“, so Dio, „und griffen dann Varus selbst an, als er sich in schwer passierbaren Waldgegenden befand.“ Die Textstelle belegt, wie umfassend und generalstabsmäßig der Aufstand geplant war: Während ein Teil der Widerstandskämpfer bei Kalkriese den Wall errichtete, lauerte ein anderer Teil schon viele Kilometer weiter vorn dem Heereszug auf, an einer strategisch günstigen Stelle, an der sich die römischen Pioniere abmühen mussten, den Weg freizuräumen. In der Folge dürfte es dort zu Staus in der Heereskolonne gekommen sein. Die Legionäre standen womöglich gerade wartend herum, gelangweilt, durchnässt und schlammverdreckt, als sich die Germanen im Schutz der Bäume anschlichen. „Die Barbaren brachen aus dem dichtesten Gebüsch hervor, da sie ja jeden Pfad kannten, und umstellten die Römer auf allen Seiten“, erzählt Dio. „Die vermeintlichen Untertanen erschienen plötzlich als Feinde und richteten furchtbares Unheil an.“

https://www.focus.de/wissen/mensch/geschi...aid_397272.html


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16. Aug. 2014 22:42 Centurion ist offline Email an Centurion senden Beiträge von Centurion suchen Nehmen Sie Centurion in Ihre Freundesliste auf
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Hand des Schicksals:

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Vorsichtige Überfälle

Die Stammeskrieger attackierten nicht im Hurrastil à la Hollywood, sondern zunächst vorsichtig, mit gebotenem Respekt vor den bis dato überlegenen Truppen der Supermacht Rom. „Anfangs warfen sie nur aus der Ferne ihre Speere“, berichtet Dio. „Dann aber, als niemand sie abwehrte und viele Römer schon verwundet waren, gingen sie zum Nahkampf über.“ Die Germanen verfolgten dabei wohl eine klassische Nadelstichtaktik: aus dem Hinterhalt zuschlagen und sich dann rasch wieder zurückziehen.

Die überrumpelten Legionäre brachten gegen die wiederkehrenden Guerilla-Attacken keine wirkungsvolle Gegenwehr zustande. „Da die Römer nicht in einer einigermaßen geordneten Formation vorrückten, sondern die Kolonne mit Wagen und Unbewaffneten bunt gemischt war, konnten sie nicht ohne Weiteres dicht aufschließen“, erläutert Dio. „Sie waren daher jeweils zahlenmäßig schwächer als die angreifenden Feinde, und so erlitten sie erhebliche Verluste, ohne den Barbaren etwas anhaben zu können.“ Man muss sich dabei stets bewusst machen, dass die Armee keine kompakte Einheit formte, sondern eine dünne kilometerlange Menschenschlange, eingezwängt zwischen Bergwäldern links und Sumpfgelände rechts.

Eine rettende Zuflucht?

Aber auch in dieser chaotischen Situation bewährten sich der römische Drill und die Kampfroutine. Einige Legionäre packten irgendwann im Lauf des Tages ihre Schaufeln aus, und bewacht von ihren Kameraden begannen sie in bewundernswerter Weise, wie gewohnt Graben, Wall und Palisaden für das Nachtquartier anzulegen. „Sie schlugen dort ihr Lager auf, wo sie einen geeigneten Platz fanden, soweit dies in dem Waldgebirge überhaupt möglich war“, erzählt Dio. Zug um Zug erreichten die Überlebenden den umwehrten Bereich. Bis zum Abend versammelten sich die Soldaten, Zivilisten, Knechte und Lasttiere in dem Hort der Sicherheit, der stark genug befestigt war, dass die Germanen über Nacht keinen Angriff mehr unternahmen. Das Schlimmste war scheinbar überstanden.

https://www.focus.de/wissen/mensch/geschi...aid_397273.html


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16. Aug. 2014 22:44 Centurion ist offline Email an Centurion senden Beiträge von Centurion suchen Nehmen Sie Centurion in Ihre Freundesliste auf
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Tag 2 der Varusschlacht

Auf dem Weg ins Verderben



Tag 2 der Varusschlacht: Den Römern gelingt es, die Kampfformation einzunehmen, in der sie stets überlegen waren. Doch Arminius findet auch darauf eine Antwort.

Am ersten Tag der Schlacht überraschten germanischen Guerilla-Attacken die Varusarmee, als diese in rund 15 Kilometer langer Kolonne vermutlich am Nordrand des Wiehengebirges entlangzog. Die Legionen erlitten empfindliche Verluste, konnten aber schließlich ein Lager errichten und sich darin über Nacht verschanzen. Die Soldaten verbrannten zahlreiche Wagen und Gepäck und nahmen nur noch das mit, was sie dringend benötigten. Den aufständischen Germanen sollte es kein weiteres Mal gelingen, sie zu überrumpeln.

„Am anderen Morgen zogen die Römer in etwas besserer Ordnung weiter“, berichtet der antike Historiker Cassius Dio über den Beginn des zweiten Tages der Varusschlacht. „Sie erlitten zwar erneut blutige Verluste, erreichten aber sogar offenes Gelände.“ Die Legionen waren nun in der Lage, den Angreifern in Kampfformation eine offene Feldschlacht zu liefern – also das, was sie beherrschten wie niemand sonst in der damaligen Welt. Aber was taten die Krieger des Cheruskerfürsten Arminius? Nichts! Entgegen allen Klischees verzichteten die Germanen darauf, heldenhaft-selbstmörderisch zu attackieren, sondern entschieden sich für die intelligentere Lösung: einfach abzuwarten. Die Zeit spielte für die Aufständischen, denn auf kurz oder lang würde den Legionen der Proviant ausgehen. Und wo sollten sie dann hin? Einen Ausweg gab es für sie nicht: Die Truppen des Varus hatten zwar ein freies Feld erreicht, aber keinen Seitenausgang gefunden. Immer noch waren sie zwischen Bergwald und Sümpfen eingesperrt, und ihnen blieb nur die Möglichkeit, weiter voranzumarschieren oder zur Weser zurückzulaufen – die Strecke entlang, an der sie gerade so viele Kameraden verloren hatten.

Soldaten stürzen wie Dominosteine

Varus entschied sich dafür, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, der vermutlich am Nordrand des Wiehengebirges verlief. Die Legionäre mussten auf dem Pfad mit seinem glitschigen Kleiboden wieder eine kilometerlange Kolonne formen. Damit boten sie erneut eine hervorragende Zielscheibe für Guerilla-Attacken in die Flanke. Zwar versuchten die Soldaten nun, sich effektiver als am Vortag zu wehren, aber sie fanden kein Mittel gegen die Germanen, die wieder und wieder aus dem Unterholz hervorbrachen und sich dann rasch zurückzogen. „Die Römer erlitten gerade hier schwere Verluste; denn wenn sie auf engem Raum dicht zusammenrückten, um in geschlossener Formation die Feinde anzugreifen“, so Cassius Dio, „brachten sie sich in dem Gedränge vielfach gegenseitig zu Fall oder glitten auf den Baumwurzeln aus.“

Der antike Historiker hat hier wohl keineswegs übertrieben: Die Legionäre mussten auf dem glitschigen Grund nicht nur sich selbst balancieren, während sie kämpften, sondern auch noch 30 Kilogramm an Waffen und Rüstung – und das inmitten eines Pulks von Kameraden, die nervös drängelten, stießen, ihrerseits ausglitten und in ihre Nachbarn hineinrutschten. Bisweilen dürfte es zu regelrechten Dominoeffekten gekommen sein, wenn Fallende panisch versuchten, sich am Nebenmann festzuhalten, diesen aber nur mit sich zu Boden rissen. Und wer mit seiner schweren Ausrüstung in den schlammigen Grund stürzte, der wurde ein leichtes Opfer für die feindlichen Speere.


https://www.focus.de/wissen/mensch/geschi...aid_399474.html


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16. Aug. 2014 22:56 Centurion ist offline Email an Centurion senden Beiträge von Centurion suchen Nehmen Sie Centurion in Ihre Freundesliste auf
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Notdürftiges Nachtlager

Trotz aller Verluste kam die Heereskolonne im Lauf des Tages weiter voran auf ihrem Marsch nach Westen. Gegen Abend gelang es den Überlebenden erneut, ein Lager zu errichten. Doch dieses war deutlich kleiner als das vorangegangene, und die Soldaten befestigten es nur noch hastig, ohne die sonst übliche Sorgfalt. „Ein halb eingestürzter Wall und ein flacher Graben kennzeichneten die Stelle, an der sich die zusammengeschmolzenen Reste niedergelassen hatten“, berichtet Tacitus über das Bild, das sich später an dem Ort bot.

Die römischen Soldaten haben in dieser Nacht wohl nur wenig geschlafen, trotz aller Strapazen. Ausgelaugt, durchnässt und von den Schrecken der beiden vorangegangenen Kampftage gezeichnet, kauerten die Männer hinter ihren notdürftigen Verschanzungen. Viele Verwundete stöhnten, konnten nur provisorisch behandelt werden, und ringsum lauerten die Feinde. Was würde passieren, wenn die Germanen im Schutz der Dunkelheit einen Großangriff starteten?

Der aber blieb aus. Arminius sah offenbar keinen Anlass, das Leben seiner Leute in unübersichtlichen Nachtgefechten an den zwar kümmerlichen, aber doch vorhandenen römischen Bollwerken zu riskieren. Seine Taktik der beständigen Nadelstiche war bislang erfolgreich, der römische Heereswurm immer mehr ausgeblutet. Warum sollte er diese Vorgehensweise ändern? Der Cherusker hielt nun alle Trümpfe in der Hand, und schon bald würde er sie ausspielen. Der Tag der Entscheidung war gekommen.

https://www.focus.de/wissen/mensch/geschi...aid_399478.html


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16. Aug. 2014 22:58 Centurion ist offline Email an Centurion senden Beiträge von Centurion suchen Nehmen Sie Centurion in Ihre Freundesliste auf
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Tag 3 der Varusschlacht

Der Schicksalstag Germaniens



Am dritten und letzten Tag der Varusschlacht schnappt die Falle der Germanen zu. Die umzingelten Römer aber sind noch kampfbereit, und sie gehen zum Gegenangriff über.

Die germanischen Rebellen attackierten bereits zwei Tage lang die römische Besatzungsarmee, die in kilometerlanger Kolonne westwärts zog – vermutlich am Rand des Wiehengebirges entlang. Die nadelstichartigen Angriffe hatten die drei Varuslegionen dezimiert, aber den Römern war es trotzdem gelungen, ein Nachtlager zu errichten. Und so formten die Legionäre in der Frühe des dritten Kampftages wieder einen Heereswurm, der weiter nach Westen kroch, hin zu den Stützpunkten am Rhein.

Römer im Regen

Dann verfinsterte sich die Welt. Schwarze Wolken schoben sich vor die Sonne, angetrieben von einem heftigen Wind, beladen mit nasser Fracht, die zur Erde zurückstrebte. Der Himmel öffnete gleichsam seine Schleusen, und als ob auch er sich gegen die Varuslegionen verschworen hätte, übergoss er die Marschierenden. „Ein strömender Regen und ein furchtbarer Sturm fielen über die Römer her, sodass diese weder vorwärtskamen noch einen festen Stand fanden“, schildert der antike Historiker Cassius Dio. „Ja, sie konnten nicht einmal ihre Waffen richtig einsetzen: Die Bogen [der Hilfstruppen], Wurfspeere und selbst die Schilde waren derart durchnässt, dass sie kaum mehr zu gebrauchen waren. Für die Feinde hingegen war die Nässe kaum ein Hindernis, da sie ja größtenteils leicht bewaffnet waren.“

Ganz unproblematisch war das Wetter aber auch für die Aufständischen nicht. Sie hatten ebenfalls mit den Regengüssen zu kämpfen: am Kalkrieser Berg am westlichen Ende des Wiehengebirges, wo die Falle zuschnappen sollte. Dort flossen solche Wassermengen herab, dass sie den 400 Meter langen Wall der Germanen gefährdeten. Die Stammeskrieger hatten das Bollwerk am Hangfuß nur hastig aus Sand und Grasstücken errichtet, und nun drohte es zu zerlaufen. Die Aufständischen begannen daher, an den gefährdeten Stellen Dränagegräben anzulegen, die heute noch archäologisch nachweisbar sind.

Im Engpass zwischen Berg und Moor

Der römische Heereswurm kroch derweil in den natürlichen Trichter hinein, den das Wiehengebirge zur Linken und das Große Moor zur Rechten formten. Schon gut zehn Kilometer vor Kalkriese begannen die beiden Landschaftsbarrieren schräg aufeinander zuzulaufen, sodass der Raum dazwischen immer schmaler wurde. Anfangs war der Effekt unmerklich, da zwischen Bergen und Moor noch mehrere Kilometer Platz waren, aber mit jedem Schritt westwärts schob sich die Soldatenkolonne tiefer in den sich verengenden Trichter hinein. Und dann kam entlang des Wegs der Kalkrieser Berg, der aus Gebirgszug hervorspringt wie eine dicke Beule. Er bildete einen regelrechten Pfropfen, der den Durchlass am schmalen Ende des Landschaftstrichters verstopfte und so den Engpass von Kalkriese formte. Dieser Engpass war rund einen Kilometer breit und lediglich an den Rändern passierbar, da in der Mitte eine moorige Feuchtsenke lag.

Die römischen Truppen folgten dem Sandweg am Fuß des Wiehengebirges, der sich in einer kilometerlangen Linkskurve um den Kalkrieser Berg herumzog. Dabei mussten sich die Legionäre immer wieder feindlicher Attacken erwehren, wie heute die römischen Funde entlang des Wegs andeuten. Die Germanen griffen wohl von der dicht bewaldeten Anhöhe herab den Heereswurm ein ums andere Mal in der Flanke an, um sich dann rasch wieder in den Schutz der Wälder zurückzuziehen.

Vielleicht nutzten sie zur Deckung auch die Siedlung, die Archäologen am Fuß des Kalkrieser Bergs nachwiesen. Die Bewohner waren zu dem Zeitpunkt vermutlich längst geflohen, aber das Resultat ihrer landwirtschaftlichen Arbeit blieb bemerkbar: Immer wieder tauchten lichte Flächen auf, welche die Bauern gerodet hatten, um sie als Ackerland zu nutzen. Die Truppen des Varus marschierten also keineswegs durch finstere Urwälder, sondern durch eine Kulturlandschaft – jedenfalls nach germanischem Maßstab.


https://www.focus.de/wissen/mensch/geschi...aid_402738.html


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16. Aug. 2014 23:02 Centurion ist offline Email an Centurion senden Beiträge von Centurion suchen Nehmen Sie Centurion in Ihre Freundesliste auf
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Bollwerk gegen Rom



Die römischen Soldaten kämpften und schoben sich weiter vor, behindert durch zahlreiche Bäche, die den Weg querten, eingequetscht zwischen ihren Kameraden und immer wieder den feindlichen Guerilla-Attacken ausgesetzt. Sie gelangten so zur Mitte des Engpasses – und was sie dort erblickten, muss in ihnen Entsetzen hervorgerufen haben: Linker Hand schlängelte sich über Hunderte Meter ein palisadengekrönter Wall am Sandweg entlang, bespickt mit germanischen Kriegern.

Die beiden Enden des Bollwerks schmiegten sich an Bäche und waren zusätzlich durch Abwehrgräben gesichert, sodass die Römer den Wall nicht hinterlaufen konnten. Die Legionäre mussten also vor der Wehranlage vorbeiziehen. Dort gelangten sie auf ein freies Feld, das als Weidefläche diente, wie archäologische Untersuchungen nahelegen. Das Areal eignete sich damit hervorragend als Kampfplatz – für beide Seiten.

Der Gegenangriff der Legionen

Die Funde von Kalkriese zeugen von starker und phasenweise erfolgreicher römischer Gegenwehr an diesem Platz. Auf die eigene überlegene Kampfkraft setzend, gingen die römischen Truppen offenbar auf verschiedene Arten vor: Ein Teil versuchte den Durchbruch durch den Engpass hin zu dem freien Gelände dahinter, ein anderer Teil attackierte das Bollwerk frontal. Dabei drangen die Legionäre anscheinend auf ganzer Breite vor und lieferten den Germanen schwere Gefechte. Das jedenfalls legt die enorme Dichte der römischen Funde an der Frontlinie des Walls nahe.

An dem Sturm auf die germanische Wehranlage beteiligten sich sogar Maultiere des Trosses – wenn auch sicherlich ungeplant. Eines der Zugtiere riss sich in dem Getümmel los, stürmte über den Kampfplatz, den Wall hinauf und über die Wallkrone hinweg. Auf der anderen Seite kam es zu Fall und brach sich das Genick, wie sein gut erhaltenes Skelett heute belegt. Auch römische Soldaten gelangten hinter die germanische Befestigungslinie, wie Gegenstände und vereinzelte Menschenknochen an der Wallrückseite zeigen.

Dann zerflossen Teile des Bollwerks, das ja nur hastig aus Sand und Grasstücken errichtet war. Dies geschah spätestens kurz nach Ende der Kämpfe, vermutlich aber noch während sie andauerten – was für die Aufständischen an den betroffenen Wallabschnitten möglicherweise eine Katastrophe bedeutete: Nun standen sie plötzlich ohne Deckung den überlegen gerüsteten Legionären gegenüber.

Das Tor der Krieger

Trotz dieser zwischenzeitlichen Rückschläge gelang es den Germanen, die Römer vom Wall zurückzudrängen und selbst in die Offensive zu gehen. Der wichtigste Ort für die Ausfälle dürfte ein bastionsartiger Wallvorsprung gewesen sein, an dem die Archäologen die Reste einer ganzen Toranlage fanden. Hier konnten die Stammeskrieger durch das geöffnete Tor hervorstürmen, konzentrierte Attacken auf die vorbeimarschierenden Römer führen, sich dann in geübter Guerilla-Manier rasch wieder zurückziehen und hinter sich buchstäblich die Tür zuschlagen. Fundstücke im weiteren Vorfeld des Bollwerks bezeugen dabei, dass die Aufständischen quer über das Schlachtfeld erfolgreich die Legionäre angriffen. Trotzdem konnten die Germanen den Durchbruch römischer Truppen durch den Engpass nicht vollständig verhindern.

Einheiten der Varusarmee zogen an dem Wall vorbei und kämpften sich mindestens einige Kilometer weiter nach Westen voran, wie eine Reihe von Funden belegt. Einzelne Römer schlugen sich sogar bis zum Rhein durch, denn Tacitus erwähnt Männer des Varus, „die aus der Schlacht oder der Gefangenschaft entkommen waren“. Dabei handelte es sich aber um wenige Ausnahmen. Die Germanen rieben den römischen Heereswurm immer weiter auf und kesselten schließlich die Reste der Armee ein. „Das tüchtigste aller Heere“, klagt der zeitgenössische Historiker Paterculus, „wurde von Wäldern, Sümpfen und Hinterhalten eingeschlossen und Mann für Mann abgeschlachtet, von demselben Feind, den es stets wie Vieh abgeschlachtet hatte“.

https://www.focus.de/wissen/mensch/geschi...aid_402739.html


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16. Aug. 2014 23:04 Centurion ist offline Email an Centurion senden Beiträge von Centurion suchen Nehmen Sie Centurion in Ihre Freundesliste auf
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Der Tod des Varus

„Varus und die anderen hohen Offiziere fürchteten, in Gefangenschaft zu geraten oder bei ihren schlimmsten Feinden den Tod zu erleiden“, erzählt Cassius Dio. Der 54-jährige Feldherr und sein engstes Umfeld fassten daher „einen schrecklichen, aber notwendigen Entschluss“, so der Historiker. „Sie verübten Selbstmord.“

Einige Soldaten machten sich nun daran, Varus einen letzten Dienst zu erweisen: Sie errichteten einen Scheiterhaufen, legten den Leichnam darauf und zündeten ihn an, so wie es den römischen Sitten entsprach. Doch selbst die würdevolle Verbrennung blieb dem Verlierer verwehrt. Zu schnell brach die Kampfmoral der verbliebenen Römer zusammen. „Als dies [Varus’ Selbstmord] bekannt wurde, verzichteten auch alle anderen auf weiteren Widerstand, selbst wenn sie noch bei Kräften waren“, berichtet Cassius Dio. „Die einen folgten dem Beispiel ihres Feldherrn, die anderen warfen ihre Waffen weg und ließen sich von dem erstbesten Feind durchstoßen. Denn es war unmöglich zu fliehen, selbst wenn sie es noch so sehr gewollt hätten.“

Die Germanen hatten einen totalen Sieg erzielt. Einige drangen nun zum Scheiterhaufen vor und zerrten den Leichnam des verhassten römischen Statthalters herunter. „Die Feinde in ihrer Wildheit zerfleischten den halbverbrannten Körper des Varus“, entrüstet sich Paterculus. „Seinen Kopf trennten sie ab“ – und brachten ihn zu Arminius. Der sandte das Haupt des Varus als gruseliges Präsent auf eine weite Reise, von der noch die Rede sein wird.

https://www.focus.de/wissen/mensch/geschi...aid_402740.html


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16. Aug. 2014 23:07 Centurion ist offline Email an Centurion senden Beiträge von Centurion suchen Nehmen Sie Centurion in Ihre Freundesliste auf
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